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Wegweisende Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privaten Naturschutz (20.12.05)

BUND-Landesvorsitzende Dr. Dahlbender lobt Rheinstettener Naturschutzprojekte

Bei strahlendem Herbstwetter zeigte sich die Rheinstettener Natur dem Anlass entsprechend von ihrer schönsten Seite. Dr. Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, informierte sich auf Einladung von Oberbürgermeister Gerhard Dietz über aktuelle Naturschutzprojekte in Rheinstetten. Nach einem einführenden Gespräch im Stadthaus 1, bei dem die Rahmenbedingungen der Rheinstettener Umweltschutzpolitik diskutiert wurden, ging es hinaus in die Landschaft. Umweltschutzkoordinator Reuter sowie die Eheleute Dr. Harms und Herr Martin vom BUND Ortsverband hatten für die Besichtigung drei Projekte ausgewählt, die nicht nur ökologisch von großer Bedeutung sind, sondern auch in typischer Weise die gute Zusammenarbeit von Stadt und ehrenamtlichem Naturschutz zeigen.

Das zur Zeit vielleicht spannendste Projekt ist die Entwicklung der ehemaligen Standortschießanlage im Hardtwald hin zur Mörscher Heide. Bis in die 1990er Jahre hinein war das Gelände von deutschen und amerikanischen Streitkräften zum Schießbetrieb genutzt worden und anschließend in einen kurzen "Dornröschenschlaf" gefallen. In den Mittelpunkt des Interesses rückte es wieder mit dem Bau der Neuen Messe Karlsruhe. Für die mit diesem Projekt verbundenen landschaftlichen Eingriffe mussten Ausgleichsmaßnahmen konzipiert werden. Hierfür boten sich die ehemaligen Militärflächen an, da die frühere Nutzung zu teils extremen Standortverhältnissen geführt hatte, die aber ökologisch von hohem Wert sind. Anstatt nun wie häufig andernorts Ausgleichsmaßnahmen als Strohfeuer durchzuführen, bei dem kurzfristig hohe Summen ohne dauerhaften Erfolg ausgegeben werden, wurde hier ein anderer Weg eingeschlagen. Unter intensiver Beteiligung des BUND-Ortsverbandes wurde ein Pflegekonzept entwickelt, bei dem mit behutsamen Maßnahmen eine offene Heidelandschaft entwickelt und die Ausgleichsgelder langfristig in Art eines Stiftungsstocks eingesetzt werden. Nach 2 Jahren zeigen sich bereits erste Erfolge. Besonders erfreulich sind dabei Brutnachweise stark gefährdeter Vogelarten wie Schwarz- und Braunkehlchen oder auch das bundesweit bedeutsame Vorkommen des Ginsterbläulings.

Nach diesem Abstecher auf die trockene Hardt stand mit der Rheinniederung die feuchte Seite Rheinstettens im weiteren Blickpunkt. An den Neuburgweirer Lettenlöchern wurde das von der EU geförderte LIFE-Projekt "Lebendige Rheinauen" erläutert, bei dem in den nächsten Jahren auch in Rheinstetten zahlreiche Maßnahmen umgesetzt werden. Aktuell laufen in den Lettenlöchern Untersuchungen zur Ökologie sowie zur Mächtigkeit der Schlammablagerungen und deren eventueller Belastung. Hier sind bis zum Frühjahr 2007 Entschlammungen geplant, mit denen langfristig die Lebensbedingungen für Arten wie Moorfrosch oder Kammmolch erhalten werden sollen. Diskutiert wurde auch die dringend notwendige Anlage einer stationären Leiteinrichtung mit Untertunnelung der Kreisstraße; schwierige Grundstücksverhältnisse sowie die offene Finanzierung stehen hier einer schnellen Lösung leider entgegen.

Zum Abschluss des informativen Nachmittags ging es zur Holzlachschlut. Hier pflegt der BUND-Ortsverband seit über 15 Jahren mit logistischer Unterstützung der Stadt und der Firma Börsig eine der für die Rheinniederung so charakteristischen Schluten. Prägten zu Beginn der Pflegemaßnahmen noch Ruderalarten wie Kratzbeere und Goldrute das Bild, so kommen heute wieder typische Arten feuchter Lebensräume wie Sumpfampfer und Sumpfdotterblume vor. Ein großer Erfolg für das ehrenamtliche Engagement und auch Vorbild für städtische Aktivitäten an anderen Schluten der Gemarkung.

Aufgrund der Vielfalt der Rheinstettener Landschaft konnte dieser Nachmittag nur einen beschränkten Einblick geben. Alle Beteiligen waren sich deshalb einig, diesen Gedankenaustausch bei passender Gelegenheit fortzusetzen.

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